Management Summary
Fragestellung:
Wie lässt sich der bisherige SPY Bull Put Credit Spread so weiterentwickeln, dass Stop-Cluster und lange Phasen ohne Setup das Ergebnis weniger stark prägen?
Datenbasis:
Getestet wurde der Zeitraum von Januar 2020 bis Juni 2026. Der Backtest umfasst 89 Trades und ca. 6,5 Jahre. Startkapital waren 5.000 USD.
Datenquellen: TradingView und ThetaData.
Methodik:
Geprüft wurden unter anderem Laufzeiten, Spreadbreiten, Delta- und IV-Grenzen, Stop-Varianten und verschiedene Exit-Regeln. Danach wurden Credit und Debit Spread in einem gemeinsamen Portfolio getestet.
Ergebnis:
Die gewählte Variante erzielte 5.063 USD Netto-PnL. Das entspricht 15,61% linear annualisiertem Return bei 11,92% handelbarem MTM-Max-Drawdown. Gebühren von 712 USD sind bereits enthalten.
Konsequenz:
GGI arbeitet künftig mit zwei Setups. Der Bull Put Credit Spread bleibt selektiv. Der Bull Call Debit Spread ergänzt bullische Phasen mit niedriger IV. Je 5.000 USD Strategiekapital sind 900 USD Rücklage vorgesehen. Die genaue Skalierungsregel wird separat geprüft.
Ausgangsfrage
Im laufenden Paper-Test endeten im Juni 2026 vier Trades in Folge am Stop. Im Juli 2026 kam ein einzelner Trade hinzu. Danach blieb der Credit Spread trotz bullischem Regime mehrfach ohne Setup. Die implizite Volatilität war zu niedrig.
Das sind zwei Phasen, die ein Regelwerk unter Druck setzen.
Nach mehreren Stop-Verlusten liegt der Gedanke nahe, den Stop zu verändern. Nach mehreren Wochen ohne Trade beginnt die Suche an den Entry-Regeln:
IV-Grenze senken, weniger Abstand zum Short Strike, niedrigere Prämie akzeptieren.
Mehr Trades fühlen sich zunächst wie eine Lösung an. Jeder zusätzliche Entry bringt auch ein neues Risiko ins Depot.
Der Backtest sollte deshalb drei Fragen beantworten:
Braucht der Credit Spread nach dem Entry einen Stop?
Welche Bedingungen muss ein guter Credit Entry erfüllen?
Was kann die Strategie in bullischen Phasen tun, in denen der Credit Spread keinen Vorteil hat?
Daraus entstand die übergeordnete Forschungsfrage:
Welche Kombination aus Bull Put Credit Spread und Bull Call Debit Spread liefert einen brauchbaren Jahresreturn, hält den Drawdown im Zielbereich und bleibt mit einem 5.000-USD-Depot handelbar?
Für den Test galten zwei Grenzen:
maximal 15% handelbarer Drawdown
ein Verhältnis aus Jahresreturn und beobachtetem MTM-Risiko von mehr als 1
Der bisherige Zielwert von 25% Return pro Jahr blieb als Vergleich bestehen.
Datenbasis und Methodik
Datenbasis
Der Backtest umfasst den Zeitraum von Januar 2020 bis Juni 2026.
Verwendet wurden historische SPY-Kurse und Optionsketten von TradingView und ThetaData. Entries und Exits wurden mit den jeweiligen Bid- und Ask-Kursen berechnet.
Die Strategie wurde montags, mittwochs und freitags um 10:30 Uhr New Yorker Zeit geprüft. Das entspricht in Deutschland meist 16:30 Uhr.
Die Auswertung basiert auf:
89 Trades
25 Call Debit Spreads
64 Put Credit Spreads
637 Tagen in der Daily-Close-Kurve
5.000 USD Startkapital
einem Kontrakt je Setup
8 USD Gebühren je vollständigem Trade
Die Ergebnisse enthalten keinen Geldmarktertrag, keinen Hedge und keine Wiederanlage der Gewinne. 2026 ist nur bis Ende Juni enthalten.
Methodik
Der Regime-Check verwendet den letzten abgeschlossenen Handelstag.
Ein bullisches Regime liegt vor, wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind:
SPY schließt über dem EMA30
MACD liegt über null
RSI14 liegt bei mindestens 55
Für den Credit Spread kommt ein Setup-Check im 4-Stunden-Chart hinzu.
Die letzte abgeschlossene 4-Stunden-Kerze bestimmt EMA30 und ATR14. Daraus entsteht die Setup-Linie:
EMA30 − 0,5 × ATR14
Der Short Put muss mindestens 2 USD unter dieser Linie liegen. Der SPY muss zum Entry-Zeitpunkt zudem mindestens auf Höhe des zuvor bestimmten 4h-EMA30 notieren.
Im Backtest wurden die einzelnen Regeln schrittweise verändert. Dazu gehörten Laufzeit, Spreadbreite, Delta, IV, Prämie, Stops, Take Profit und Time Exit.
Anschließend wurden zwei Setups in einem Portfolio verbunden:
ein Bull Put Credit Spread für Phasen mit ausreichender IV
ein Bull Call Debit Spread für ausgewählte bullische Phasen mit niedriger IV
Der Credit Spread wird an jedem Prüftermin zuerst gesucht. Ein Debit Spread kommt nur infrage, wenn kein neuer Bull Put Credit Spread Entry möglich ist.
Ein bestehender Debit Spread darf weiterlaufen, wenn später ein Credit Spread eröffnet wird.
Für den Drawdown wurden drei Werte getrennt betrachtet:
realisierter Drawdown
Daily-Close-Drawdown
handelbarer Intraday-MTM-Drawdown
Der MTM-Drawdown zeigt den Buchverlust während offener Positionen. Er bildet am ehesten ab, was im Depot tatsächlich ausgehalten werden muss.
Ergebnisse
Der Credit Spread bleibt selektiv
Der für v0.4 gewählte Bull Put Credit Spread ist 10 USD breit.
Er wird mit 11 bis 13 DTE eröffnet. Das absolute Delta des Short Puts darf höchstens 0,16 betragen. Seine implizite Volatilität muss zwischen 18 und 30% liegen.
Die Untergrenze lag bisher bei 15 %. Damit entstanden 90 Credit Spreads bei einem Profit Factor von 2,68. Mit IV 18 sank die Zahl auf 64 Trades, während der durchschnittliche Gewinn je Trade von 27,08 auf 42,47 USD und der Profit Factor auf 13,13 stiegen. Das Regelwerk priorisiert damit die Qualität der Entries vor ihrer Anzahl. Die vollständige Auswertung folgt separat.
Der ausgewählte 10er-Spread muss mindestens 0,60 USD Natural Credit liefern. Im Backtest lagen die Credits zwischen 0,60 und 0,86 USD.
Es darf nur ein Credit Spread gleichzeitig offen sein.
Der Trade hat keinen Preisstop. Die bisherige Stop-Logik entfällt. Das Risiko wird über die feste Spreadbreite und höchstens eine offene Credit-Position begrenzt; die separate Stop-Auswertung folgt in einer eigenen Research Note.
Nach dem Entry gelten zwei Exits:
Take Profit bei 80% der erhaltenen Prämie
Time Exit bei 1DTE
Ein späterer negativer Regime-Check beendet den Credit Spread nicht.
Die Breite von 10 USD legt den maximalen Verlust bereits beim Entry fest. Die Grenze von einer offenen Position verhindert Stop-Cluster aus mehreren parallelen Credit Spreads.
Ergebnis des Credit Spreads:
58 Trades erreichten den Take Profit. Sechs endeten am Time Exit.
Die Trefferquote ist hoch. Vier Verlusttrades sind zugleich eine schmale Basis für Aussagen über künftige Verlustserien. Dieser Punkt bleibt Teil der Forward-Validierung.
Der Debit Spread ergänzt eine andere Phase
Der Call Debit Spread übernimmt einen Teil der bullischen Phasen mit niedriger IV. Er hat ein eigenes Setup.
Ein Entry ist möglich, wenn:
das bullische Regime offen ist
kein neuer Credit Spread gefunden wurde
der Long Call ungefähr Delta 0,50 hat
seine IV unter 14% liegt
der Natural Debit höchstens 4,42 USD beträgt
Der Spread ist 10 USD breit und wird mit einer Ziellaufzeit von 35 DTE eröffnet.
Auch der Debit Spread hat keinen Preisstop. Sein Verlust ist auf den gezahlten Debit plus Gebühren begrenzt.
Der Exit erfolgt:
bei 75% des maximal möglichen Spread-Gewinns
bei 14 Rest-DTE
beim ersten negativen Regime-Check
Ergebnis des Debit Spreads:
Vier Trades erreichten den Take Profit. Elf endeten am Time Exit und zehn am Regime-Exit.
Der Debit Spread gewinnt seltener als der Credit Spread. Sein durchschnittlicher Trade fällt mehr als doppelt so hoch aus.
Das Portfolio
An einem bullischen Prüftermin wird zuerst der Credit Spread geprüft.
Findet sich kein gültiger Credit Entry, darf ein Debit Spread gesucht werden. Ein späterer Credit Entry kann parallel zu einem bestehenden Debit Spread laufen.
Es bleibt bei maximal zwei Positionen:
ein Put Credit Spread
ein Call Debit Spread
Im Backtest liefen beide Positionen nur während 0,95% der gesamten Zeit gleichzeitig.
Gesamtergebnis:
Das Startkapital hat sich im Backtest etwas mehr als verdoppelt. Gewinne wurden dabei nicht wieder angelegt.
Der linear annualisierte Return von 15,61% setzt den durchschnittlichen Jahresgewinn ins Verhältnis zu den festen 5.000 USD.
Der CAGR von 11,39% beantwortet eine andere Frage. Er zeigt, welche gleichmäßige jährliche Wachstumsrate aus 5.000 USD über den gesamten Zeitraum 10.063 USD gemacht hätte.
Die Strategie war während rund einem Drittel des Testzeitraums investiert. Zwei offene Positionen blieben die Ausnahme.
Der Drawdown
Ein Drawdown kann je nach Messpunkt sehr unterschiedlich aussehen.
Geschlossene Trades zeigen nur, was am Ende realisiert wurde. Offene Positionen können zwischenzeitlich deutlich tiefer liegen.
Der Backtest weist deshalb drei Werte aus:
Der MTM-Max-Drawdown von 11,92% ist die zentrale Risikokennzahl.
Dieser Verlust war im Depot sichtbar. Er musste ausgehalten werden, obwohl ein Teil davon später nicht realisiert wurde.
Der größte Drawdown begann am 27. Juli 2023. Sein Tief lag am 7. September 2023. Erst am 11. Dezember 2023 war der vorherige Stand wieder erreicht.
Zwischen Verlust und Erholung lagen damit mehrere Monate.
Das Verhältnis aus Jahresreturn und beobachtetem MTM-Drawdown beträgt 1,31. Damit besteht die gewählte Variante den gesetzten Return-Risk-Test.
Die Monte-Carlo-Simulation
Die historische Reihenfolge der 89 Trades bildet nur einen möglichen Verlauf ab. Deshalb wurden zusätzlich gerechnet:
100.000 simulierte Tradefolgen
50.000 Block-Bootstrap-Pfade der Tageskurve
ein Kontrakt je Setup
keine Skalierung
keine Wiederanlage
Im Block-Bootstrap lag der Median des Max-Drawdowns bei 571 USD. Der 95-%-Wert lag bei 876 USD, der 99-%-Wert bei 1.065 USD.
Eine Rücklage von 700 USD wurde in 20,73% der simulierten Tageskurven überschritten. 900 USD deckten rund 95% der simulierten Daily-Close-Drawdowns ab.
Für die weitere Planung gilt daher:
Je 5.000 USD Strategiekapital sind 900 USD Rücklage vorgesehen. Die erste Skalierung kommt frühestens ab 10.000 USD Strategiekapital infrage. Wie die Rücklage aufgebaut und nach einer Entnahme wieder aufgefüllt wird, folgt in einer eigenen Analyse.
Das höchste gleichzeitige Defined Risk lag bei 1.380 USD. Auch die Rücklage von 900 USD je Kapitaleinheit schließt damit nicht jedes historische Verlustereignis aus.
Warum kein Hedge hinzukommt
Ein VIX-Hedge wurde ebenfalls getestet.
Die 60-DTE-Variante kostete über den Testzeitraum 157 USD. Die 90-DTE-Variante kostete 153 USD.
Im Corona-Ereignis zahlte der Hedge 32 USD aus. Damit deckte er rund 12% des damaligen Call-Verlusts. Der Schutz war klein. Die Kosten fielen über den gesamten Testzeitraum an.
Das neue Portfolio verwendet deshalb keinen laufenden Hedge. Feste Spreadbreiten, Positionslimits und die Rücklage übernehmen die Risikosteuerung.
Jahresvergleich: Call Debit Spread & Put Credit Spread
*2026 endet im Backtest am 29. Juni.
Alle getesteten Jahre schlossen positiv ab. Gleichmäßig waren sie nicht.
2023 und 2024 lieferte der Debit Spread den größeren Beitrag. 2025 kam der größere Anteil aus dem Credit Spread. Die Gewichtung wechselte mit dem Marktumfeld.
Equity Curve des GGI Portfolios
Die Equity Curve zeigt den tatsächlichen Verlauf der Daily-Close-Werte. Aus 5.000 USD wurden ohne Compounding 10.063 USD.
Die Kurve enthält längere Phasen ohne Fortschritt und mehrere sichtbare Rücksetzer. Der größte Daily-Close-Drawdown lag bei 522 USD beziehungsweise 10,44%.
Jahresvergleich: GGI Portfolio und SPY Buy & Hold
*2026 endet im Backtest am 29. Juni.
Die SPY-Werte enthalten reinvestierte Dividenden. Die jährlichen GGI-Werte beziehen sich jeweils auf die festen 5.000 USD Startkapital. Sie bilden keine jährliche Kontorendite mit Skalierung ab.
2020 und 2021 lag der SPY deutlich vorn.
2022 verlor der SPY 18,17%. GGI schloss das Jahr mit 2,46% im Plus.
Von 2023 bis 2025 lag GGI in jedem Jahr knapp oder deutlich vor dem SPY.
2026 liegt der SPY im bisherigen Teiljahr wieder vorn.
GGI Portfolio und SPY über den Gesamtzeitraum
Über den gesamten Zeitraum erzielte der SPY den höheren Vermögenszuwachs.
Sein Gesamtgewinn lag 50,9% über GGI. Auch beim CAGR lag Buy & Hold mit 15,33% vor den 11,39% von GGI.
Der maximale Daily-Close-Drawdown des SPY lag bei rund 34,23%. GGI kam auf 10,44%.
Ein 5.000-USD-Depot hätte damit zwischenzeitlich ungefähr folgende Rückgänge gezeigt:
GGI: 522 USD
SPY: rund 1.712 USD
Buy & Hold war durchgehend im Markt. GGI hielt nur während 34,48% des Zeitraums mindestens eine Position.
Der Backtest verzinst das freie Kapital nicht. Ein möglicher Geldmarktertrag ist im GGI-Ergebnis deshalb noch nicht enthalten.
Was die Änderung rechtfertigt
Vier Stop-Verluste und mehrere Wochen ohne Setup lösten die Prüfung aus. Die gewählte Variante erfüllt im Backtest beide vorab gesetzten Grenzen:
11,92% MTM-Max-Drawdown und ein Return-Risk-Verhältnis von 1,31. Das rechtfertigt den Wechsel in die Forward-Validierung. Dort muss sich Regelwerk v0.4 außerhalb der historischen Daten bewähren.
Konsequenz für das Regelwerk
Aus dem Backtest folgen zehn Grundregeln:
Regime-Check und Prüftage bleiben bestehen.
Der Put Credit Spread wird zuerst geprüft.
Der Call Debit Spread kommt nur ohne neuen Credit Entry infrage.
Ein bestehender Debit Spread darf später parallel zum Credit Spread laufen.
Je Setup ist höchstens eine Position erlaubt.
Beide Spreads sind 10 USD breit.
Der Credit Spread hat keinen Preisstop und keinen Regime-Exit.
Der Debit Spread schließt beim ersten negativen Regime-Check.
Das Portfolio verwendet keinen laufenden VIX-Hedge.
Je 5.000 USD Strategiekapital sind 900 USD Rücklage vorgesehen.
Das vollständige Regelwerk v0.4 erscheint separat. Dort werden alle Entry-, Exit- und Positionsregeln als Arbeitsgrundlage zusammengeführt.
Abgrenzung
89 Trades sind eine begrenzte Stichprobe.
Besonders beim Credit Spread ist der Verlustrand dünn. Nur vier Trades schlossen mit Verlust. Die Monte-Carlo-Simulation kann bekannte Gewinne und Verluste neu anordnen oder wiederholen. Ein bisher unbekanntes Crash-Ereignis ist darin nicht enthalten.
Weitere Grenzen:
kein Geldmarktertrag
kein Compounding
kein Gebührenrabatt
keine dynamische Positionsgröße
2026 nur als Teiljahr
mögliche Abweichungen bei der realen Ausführung
Die jährlichen GGI-Werte beruhen immer auf 5.000 USD festem Strategiekapital. Die SPY-Werte bilden Buy & Hold mit reinvestierten Dividenden ab.
Fazit
Das Ziel von 25% Return pro Jahr wurde nicht erreicht. Die gewählte Variante erzielte 15,61% linear annualisierten Return bei 11,92% handelbarem MTM-Max-Drawdown. Damit erfüllt sie die gesetzten Risikogrenzen.
Der SPY erzielte über den Gesamtzeitraum mehr Wachstum. GGI hielt den Daily-Close-Max-Drawdown mit 10,44% deutlich niedriger und war nur während 34,48% der Zeit investiert.
Der Credit Spread bleibt selektiv. Der Debit Spread ergänzt bullische Phasen mit niedriger IV. Regelwerk v0.4 geht damit in die Forward-Validierung. Ab jetzt zählen neue Trades.
Weiterführende Seiten
Wie eine Optionsstrategie über feste Regeln robust und wiederholbar wird, erläutert dieser Grundlagenartikel.
Viele Grüße,
Sabine
Golden Glide Income
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