Research Note #2 - Prämienwahl und Risikostruktur im GGI
Warum die 80$-Prämie unter IV-Filter und Strike-Streuung einen stabilen Erwartungswert liefert.
Management Summary
Diese Research Note untersucht, ob eine Zielprämie von 80$ bei SPY Bull Put Credit Spreads im Golden Glide Income Prozess (GGI) unter realistischen Marktbedingungen einen positiven Erwartungswert besitzt.
Zusätzlich wird analysiert, wie sich eine Strike-Streuung von 5$ auf Risiko, Trade-Frequenz und Ergebnisverlauf auswirkt.
Zentrale Ergebnisse:
Die 80$-Prämie weist ohne zusätzliche Streuung einen klar positiven Erwartungswert auf.
Auch mit 5$-Strike-Streuung bleibt der Erwartungswert positiv.
Die Streuung reduziert vor allem serielle Stop-Loss-Ereignisse, nicht die Trefferquote.
Der absolute Ertrag sinkt primär durch geringere Trade-Frequenz, nicht durch schlechtere Trades.
Fazit:
Die 80$-Prämie ist tragfähig. Die Strike-Streuung wirkt als Risikoregel, nicht als Performanceoptimierung.
Ausgangsfrage
Im GGI Regelwerk wird für SPY Bull Put Credit Spreads eine Zielprämie von rund 80$ bei kurzer Laufzeit (11 DTE) verwendet.
Die zentrale Frage dieser Research Note lautet:
Ist diese Prämienhöhe unter realistischen Volatilitätsbedingungen langfristig tragfähig und wie verändern sich Risiko, Erwartungswert und Ertragsprofil, wenn zusätzlich eine Strike-Streuung angewendet wird?
Methodik – kurz & transparent
Datenbasis
SPY Daily · April 2016 – Januar 2026 · TradingView
Setup-Filter
Trendfilter aktiv (GGI-Regime)
implizite Volatilität über VIX9D als Proxy
VIX9D ≥ 13,5 (konservativer Filter zur Sicherstellung einer Options-IV von ca. ≥ 15 %)
Trade-Parameter
Bull Put Credit Spread
Zielprämie: 80$
Take-Profit: 80%
Stop-Loss-Kosten: −160$ (inkl. Gebühren)
Laufzeit: 11 DTE
Untersuchte Varianten
Baseline: 80$-Prämie, IV-Filter, ohne Strike-Streuung
Risikovariante: identisch, zusätzlich 5$ Mindestabstand zwischen gleichzeitig laufender Trades
Die Streuungsanalyse wird bewusst konservativ durchgeführt und unterstellt eine vollständige Laufzeit aller Trades. In der Praxis werden viele profitable Trades deutlich früher geschlossen.
Ergebnisse – Überblick
Kerndaten 80$-Prämie mit und ohne 5$-Strike-Streuung
Grafik – Equity-Kurven im Vergleich
Abbildung: Kumulierte Equity-Kurve der 80$-Prämienstrategie (SPY, 11 DTE) mit IV-Filter (VIX9D ≥ 13,5).
Beobachtung:
Die 5$-Strike-Streuung reduziert die Trade-Frequenz und glättet Drawdowns ohne den positiven Erwartungswert aufzuheben.
Grafik – Verteilung der STP-Folgen
Abbildung: Verlauf der Stop-Loss-Serien (STP-Folgen) der 80$-Prämienstrategie.
Beobachtung:
Die 5$-Strike-Streuung reduziert die Häufigkeit und Länge serieller Stop-Loss-Ereignisse, ohne die Trefferquote signifikant zu verändern.
Diese Grafik zeigt nicht Ertrag, sondern Risikostress.
Während die Baseline-Variante vereinzelt mehrere Stop-Loss-Trades in Folge aufweist, bricht die 5$-Strike-Streuung diese Serien zuverlässig.
Der Effekt betrifft die Risikostruktur, nicht die Qualität einzelner Trades.
Interpretation der Ergebnisse
80$-Prämie ohne Streuung
Die Baseline-Variante zeigt:
eine hohe Trefferquote
eine kontrollierbare Anzahl von Stop-Loss-Ereignissen
einen stabil positiven PnL/Jahr
Der Erwartungswert ist klar positiv.
Der Ertrag entsteht primär durch Trade-Frequenz × Prämienhöhe, nicht durch einzelne Ausreißer.
Wirkung der 5$-Strike-Streuung
Die Streuung verändert nicht die Qualität einzelner Trades:
Trefferquote bleibt nahezu stabil (86 % → 83 %)
durchschnittlicher Gewinn pro Trade bleibt positiv
Was sich ändert, ist die Risikostruktur:
deutlich geringere gleichzeitige Exponierung in derselben Preiszone
starke Reduktion serieller Stop-Loss-Ereignisse
max. STP-Folge sinkt von 4 auf 1
Der absolute Ertrag sinkt, weil:
weniger Trades zugelassen werden
nicht, weil die Trades schlechter wären
Warum die Streuungsanalyse ein Worst-Case ist
In der Analyse wird unterstellt, dass alle Trades über die volle Laufzeit aktiv bleiben.
In der Praxis zeigt sich jedoch:
profitable Trades werden häufig nach wenigen Tagen geschlossen
insbesondere bei positiven Preisbewegungen
diese Trades blockieren die Preiszone nicht dauerhaft
Die Streuungsregel wirkt daher realistisch vor allem:
in Seitwärtsphasen
bei länger offenen Trades
dort, wo sich Risiken kumulieren
Die hier gezeigten Ergebnisse stellen somit eine konservative Obergrenze der Streuungswirkung dar.
Erwartungswert unter bewusster Risikoreduktion
Ein zentraler Befund dieser Analyse ist nicht, dass die 80$-Prämie profitabel ist, sondern warum sie es bleibt, selbst wenn Risiko gezielt reduziert wird.
Die zusätzliche 5$-Strike-Streuung senkt die Anzahl gleichzeitiger Trades in derselben Preiszone. Dadurch werden insbesondere serielle Stop-Loss-Ereignisse entschärft.
Entscheidend ist:
Diese Risikoreduktion greift vor dem Entry nicht im Trade-Management.
Der strukturelle Vorteil der Strategie bleibt erhalten, weil:
der Ertrag nicht aus Trade-Ballung entsteht
sondern aus wiederholbarer Prämieneinnahme unter klaren Eintrittsbedingungen
und einer Verluststruktur, die im Verhältnis zur durchschnittlichen Prämie kontrollierbar ist
Die Streuung verändert somit die Verteilung von Risiko über die Zeit, nicht den Erwartungswert einzelner Trades.
Viele Strategien verlieren ihre Tragfähigkeit, sobald Risiko bewusst reduziert wird.
Hier zeigt sich das Gegenteil:
Der Prozess bleibt profitabel, weil der Edge nicht auf Aggressivität, sondern auf Struktur beruht.
Fazit
Die Analyse bestätigt drei zentrale Punkte:
Die 80$-Prämie besitzt unter realistischen Volatilitätsbedingungen einen stabilen Erwartungswert.
Dieser Erwartungswert bleibt auch unter konservativen Annahmen zur Strike-Streuung erhalten.
Die Streuungsregel wirkt primär auf die Risikostruktur, nicht auf die Qualität der Trades.
Damit erfüllt die 80$-Prämie genau das, was im GGI-Kontext entscheidend ist:
Robustheit vor Optimierung.
Abschließende Gedanken
Einordnung für das Regelwerk
Die Ergebnisse fügen sich konsistent in die bestehende Logik des Golden Glide Income Regelwerks ein:
die 80$-Prämie als tragfähiger Standard
der IV-Filter als notwendige Voraussetzung für Prämienqualität
die Strike-Streuung (5–7 $) als optionales Instrument zur Glättung von Drawdowns
Die Streuung ist dabei bewusst kein Performance-Hebel.
Sie dient nicht der Maximierung des Ergebnisses, sondern der Stabilisierung des Prozesses.
Im GGI-Kontext ist genau das der Maßstab:
Nicht der höchste mögliche Ertrag, sondern ein Regelwerk, das auch unter Stress funktionsfähig bleibt.
Die in dieser Analyse beschriebenen Erkenntnisse beziehen sich auf das zentrale Regelwerk von Golden Glide Income.
Viele Grüße,
Sabine
Golden Glide Income Journal
Struktur. Klarheit. Income.
von Sabine G. – Systematische Finanzstrategin & Autorin für regelbasiertes Income-Trading
Disclaimer
Die Inhalte dieses Journals dienen ausschließlich der Dokumentation eines persönlichen Forschungsprozesses im Bereich regelbasiertes Options-Trading.
Sie stellen keine Anlageberatung, keine Handelsempfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
Alle beschriebenen Regeln, Parameter und Anpassungen beziehen sich auf meine eigene Vorgehensweise und meinen eigenen Lernprozess.
Ob eine Methode für andere geeignet ist, hängt von individuellen Zielen, Erfahrungen und Risikotoleranzen ab.
Historische Ergebnisse, Backtests oder Beispielrechnungen sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen.
Optionen sind komplexe Produkte und können zu erheblichen Verlusten führen.
Leser:innen tragen die volle Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen.
Bitte prüfe stets, ob eine Strategie zu Deinem persönlichen Finanzrahmen und Risikoprofil passt.





